Klimabündnis Magdeburg zur bevorstehenden Stadtratssitzung am 04.12.2025 zum Thema Klimabeirat

Magdeburg, 28.11.2025

Magdeburg steht an einem Wendepunkt. Während die Stadt immer häufiger unter Hitze, Dürre und Extremwetter ächzt, will die CDU-Frakon im Stadtrat ausgerechnet jetzt das zentrale Klimaschutzziel der Stadt aufgeben: die Klimaneutralität bis 2035. Stattdessen soll sich Magdeburg an den bundesgesetzlichen Vorgaben orientieren – und einen Rückschritt um ein ganzes Jahrzehnt in Kauf nehmen.
Begründet wird der Antrag u. a. damit, dass die Klimarelevanzprüfung bisher unvollständig sei und keine belastbaren CO₂-Daten vorlägen. Das Klimabündnis Magdeburg hält diese Kritik für berechigt – aber zieht daraus völlig andere Konsequenzen.

Denn tatsächlich fehlt Magdeburg eine aktuelle Klimabilanz. Die letzte stammt aus dem Jahr 2021 und wiederholt Daten aus den Jahren zuvor. Es gibt keine vollständige quantitative Erfassung der Emissionen, keine sektoralen Reduktionspfade und keine funktionierende Überprüfung, ob städtische Vorhaben in sensiblen stadtklimatischen Bereichen liegen. Kurz gesagt: Die Werkzeuge sind stumpf – aber nicht das Ziel ist falsch, sondern die Umsetzung.

Statt die Klimapolitik aufzugeben, müssen wir sie endlich ernst nehmen. Wer die Klimakrise ignoriert, verfällt in einen gefährlichen Urinstinkt: Wegschauen. Doch die Bedrohung verschwindet nicht. Sie trifft Magdeburg bereits heute – und sie wird stärker.

In dicht bebauten Stadtgebieten heizen sich Wohnungen im Sommer auf unerträgliche Temperaturen auf. Kinder schlafen schlecht, ältere Menschen leiden unter Tropennächten, Notärzte rücken häufiger aus. Die Verwundbarsten unserer Stadt zahlen den Preis. Klimaschutz und Klimaanpassung sind keine Luxusprojekte, sondern elementare Daseinsvorsorge.

Die CDU schreibt zwar, Klimaschutzmaßnahmen seien „weiterhin wichtig“, schränkt aber gleichzeitig ein, sie müssten „ohne zusätzliche Belastungen des städtischen Haushalts“ erfolgen. Das ist weder moralisch noch wissenschaftlich haltbar.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung warnt seit Jahren: Jeder Euro, der heute in Klimaanpassung investiert wird, spart morgen ein Mehrfaches an Schadenskosten. Wer jetzt kürzt, zahlt später drauf – mit höheren Gesundheits-, Infrastruktur- und Wirtschaftsschäden.

Dabei liegen effektive Maßnahmen längst auf dem Tisch: mehr Stadtgrün, mehr Entsiegelung, Frischluftschneisen, kühlende Freiräume. Diese Maßnahmen können die Temperaturen in der Innenstadt um vier bis fünf Grad senken – ein Unterschied, der über Gesundheit oder Gefahr entscheidet.

Die entscheidende Frage lautet:
Wer übernimmt die Verantwortung, wenn Magdeburg in den kommenden Jahren mehr Hitzetote, mehr gesundheitliche Belastungen und mehr Folgeschäden verzeichnet – weil wir heute die Weichen falsch gestellt haben?

Das Klimabündnis Magdeburg fordert den Stadtrat daher eindringlich auf:
Geben Sie das Ziel der Klimaneutralität 2035 nicht auf. Machen Sie es endlich möglich.
Ein Rückzug wäre ein fatales Signal – politisch, moralisch und für die Zukunft unserer Stadt. Wir dürfen nicht kapitulieren. Nicht 2035. Nicht 2045. Nicht jetzt.

Magdeburg kann die Klimawende schaffen.
Aber nur, wenn wir handeln – und nicht wegschauen.

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